Heimatabend
Geschrieben von Ingo Deutinger am 13.04.2015 21:20
Lustiger Heimatabend – lebendige Tradition
Zuschauer und Aktive erleben einen bunten Abend der bayerischen Lebensfreude


Vilsheim. Der vom Vilsheimer Trachtenverein „Dö zünftigen Vilstaler“ organisierte bayerische Heimatabend der Arbeitsgemeinschaft der Trachtenvereine aus dem Landkreis Landshut hat das Publikum begeistert. Johann Voitenleitner, der als Moderator fungierte, leitete den Abend, der gespickt war mit einer Vielzahl unverfälschter bayrischer Schmankerl. Der Vilsheimer Trachtlervorstand staunte nicht schlecht über so viele Freunde der bayerischen Lebensart. Bis auf den letzten Platz gefüllt, war der große Festsaal des Gasthofs Stadler. Es fiel deutlich auf, dass auch zahlreiche Jugendliche und junge Erwachsene zu dem besonderen Ereignis gekommen waren.

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Der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Landshut Helmut Ostermaier freute sich sichtlich über den enormen Zuspruch, den die Trachtenvereine in jüngster Vergangenheit erfahren dürfen. Vielen ist in einer immer hektischer werdenden Welt, die Erinnerung an ihre Heimat und den dazugehörenden Bräuchen wichtig. Diese bietet Halt, Gemeinschaftssinn und Verlässlichkeit in Zeiten von elektronischer Kommunikation und Anonymität. Sein Lob galt allen Helfern und Akteuren für die tatkräftige Unterstützung.
Der stellvertretende Landrat Fritz Wittmann nutzte beim Grußwort die Gelegenheit, um eine klare Bezeugung zur niederbayrischen Heimat und der damit verbundenen Lebensart abzugeben. Dazu gehöre nicht nur das lebendige Erinnern an Tänze und Musik, so Wittmann. Es müsse ganz bewusst auch auf die Pflege der bayerischen Sprache geachtet werden, damit diese nicht in ein paar Jahren nur noch in stillen Hinterzimmern gesprochen wird und somit lediglich Museumscharakter habe.
Lebendig und bunt, im wahrsten Sinne des Wortes, war der Heimatabend der Landshuter am vergangenen Samstag. Ein abwechslungsreiches Programm, bei dem die Zeit verflog, boten die verschiedenen Gruppen. Die dazugehörigen Trachten sind immer wieder ein Augenschmaus. Vor allem die festlichen Gewänder der Volkstracht, bei der nicht nur das Gwand der Frauen zum näheren Hinschauen verleitet. Die Frauen im Dirndl, deren Röcke beim Drehen so schwingen, dass sich die weißen Spitzenunterhosen zeigen, die Männer – mal in Lederhosen, mal in typisch niederbayerischen „Bauchhosen“. Dass die Jüngsten in den Reihen der Trachtler im selben Gewand die Gäste nicht nur durch die erlernten Tänze begeistern, sondern auch durch ihren Eifer, alles richtig zu machen, ist kein Geheimnis. „Unsere Jugendlichen konnten es gar nicht mehr erwarten“, verriet Vortänzerin Heidi Unterreithmayr nach dem ersten Tanz.
Verschiedene Fassetten des niederbayerischen Gwands zeigten die ARGE-Tanzgruppen. Vor allem das historische Gewand, mit dem sie die passenden Tänze „Eckerischer oder Knödeldraher“ vorführten, ließ die Zuschauer staunen. Musikant Christoph Krenn begleitete mit seiner diatonischen Harmonika die große Schar der Mitwirkenden bei den Tänzen. Da brauchte Johann Voitenleitner nicht viele Worte, um das vielseitige Programm zu moderieren.
„Es ist eine Freude, eine so erfrischende Trachtlerfamilie in der Gemeinde zu wissen“ erklärte der Vilsheimer Bürgermeiser Georg Spornraft-Penker. Die Vereine im Allgemeinen und die Trachtler im Speziellen leisten einen wesentlichen Beitrag, den ländlichen Raum für seine Bürger lebenswert und abwechslungsreich zu gestalten. Vor allem die Jugendarbeit kann nicht hoch genug wertgeschätzt werden, so Spornraft-Penker.
Gauvorstand Bernd Walter thematisierte in seiner Grußbotschaft ebenso die Jugendarbeit der Vereine. Sie sei der wichtigste Auftrag, den Vereine zu erfüllen haben. Die Jugend ist unsere Zukunft, so Walter. Er verdeutlichte, dass er sich wünsche, dass mehrere Trachtengemeinschaften dem Beispiel der ARGE Landshut folgen und mit einem Brauchtumsabend ein lebendiges Zeugnis gelebter bayerischer Kultur darbieten.
Einen besonderen Programmpunkt konnte Voitenleitner nach der Pause unter den Zuschauern mitverfolgen. Er übergab die Bühne an die Jugendgruppe des Theaterensembles Vilsheim. Exklusiv für diesen Abend studierte das Team unter der Regie von Ingo Deutinger den Einakter „Rote Ruabn“ aus der Feder von Autor Leonhard Seidl ein. In dem flotten Stück, in dem es sich um das Öffnen eines profanen Glases „Rote Beete“ handelt, stach besonders Michael Brandlmeier hervor, der bereits mehrfach im Erwachsenenensemble zu überzeugen wusste. In seiner unnachahmlichen gemütlichen Art bestach er mit Textsicherheit und spitzfindigem Humor. Zu seiner Seite stand ihm Franziska Seethaler, die seine resolute Ehefrau mimte. Auch sie konnte durch mehrjährige Bühnenerfahrung eine überzeugende schauspielerische Leistung abrufen. Aber auch die Jungschauspieler Carina Gröschl, Rebecca Seethlaler und Stefan Brandlmeier machten ihre Sache gut und konnten das Lampenfieber vergessen machen. Besonders der Jüngste der Gruppe, Stefan Kainz, fühlte sich auf der Bühne pudelwohl und wird sicherlich nicht das letzte Mal den warmen Schlussapplaus des Publikums genossen haben.
Einen weiteren Höhepunkt gestaltete die Plattlergruppe des Trachtenvereins Pauluszell mit verschiedenen, schwungvollen Schautänzen. Zur Musik schlugen (plattelten) die Burschen gekonnt und gleichmäßig auf Schenkel, Knie und Fußsohlen. Die Darbietungen mit viel „Pep“ begeisterten die Zuschauer und ließen beweisen, dass nicht nur Oberbayern diese Form des Tanzes beherrschen. Auch die verschiedenen Figurentänze der Trachtenvereine aus Geisenhausen, Rahstorf und Pfeffenhausen überzeugten das interessierte Publikum.
Als frische Abwechslung übernahm Hans Dillis vom Trachtenverein „´D Erlbachtaler“ aus Buch am Erlbach das Regiment und sang lustige Geschichten, die das Publikum zum Mitsingen einluden. Vor allem die Stücke von der Weißwurst oder „I aber net aber du aber scho“ sorgten für eine ausgelassene Stimmung.
Ganz andere, staade Klänge ertönten von der „Oseitl-Musi“ aus Pfeffenhausen/Rottenburg. Die Stubnmusi verwöhnte die Zuhörer mit melodischem Gesang und feiner instrumentaler Begleitung mit Akkordeon, Gitarre und mehreren Okarinas. Eine Okarina, wörtlich übersetzt „kleine Gans“, ist ein kleines, einteiliges Blasinstrument mit einer runden Form, das nach der Art der Tonerzeugung den Flöten zugeteilt wird.
Am Ende eines kurzweiligen Abends zeigten sich die Hausherren nochmals von ihrer schneidigen Seite. Mit dem Zweipaartanz „Kleiner Mann im Gedränge“ wurden die Akteure Ulrike Brandlmeier, Heidi Unterreithmayr, Mike und Michael Brandlmeier von den Zuschauern frenetisch gefeiert. Bei dem aus Dänemark stammenden Tanz verlieren die Frauen sehr schnell die Bodenhaftung und werden von den Tänzern freischwebend gedreht.
Eine rundherum runde Sache war der ganze Abend, der mit dem Kronentanz der Vilsheimer Trachtler zu Ende ging. Nach den Schlußworten von Helmut Ostermaier und Johann Voitenleitner spielten die Siebenbürger Sachsen nochmals auf und viele Paare machten es den zahlreichen Gruppen nach und schwangen noch einige Stunden fidel das Tanzbein.
Dass der Terminkalender der Landshuter Trachtlergruppen bestens gefüllt ist, beweisen die folgenden Wochen. Nachdem in vielen Orten traditionell am 1. Mai die Maibäume aufgestellt werden, folgt sodann ein besonderes Ereignis, das nicht nur für eingefleischte Trachtler von Bedeutung sein wird. Am 03.05.2015 lädt der Bayerische Trachtenverband zum Tag der offenen Tür ins neue Trachtenkulturzentrum nach Holzhausen nahe Geisenhausen ein. Nachdem das Haus für bayerische Trachtenkultur und Trachtengeschichte am 02.05.2015 offiziell eingeweiht wird und der ehemalige Pfarrhof seinen kirchlichen Segen erhält, bieten die Verantwortlichen einen Tag später einen umfangreichen Tag der offenen Tür für alle Heimatinteressierten an. Dabei können sich die Zuschauer über das Jugendbildungshaus genauso einen Überblick verschaffen wie auch über das Trachtenkulturmuseum viele Neuigkeiten erfahren. Die moderne Begegnungsstätte wartet an diesem Tag von 10:00 Uhr bis 17:00 Uhr auf möglichst viele neugierige Bürger.

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